#36 „Öffentliche Kunstfreiheit“ – das neue Buch von Christoph Möllers und Nils Weinberg
Shownotes
Die Kunstlandschaft in der Bundesrepublik ist geprägt durch öffentliche Institutionen, die durch staatliche Mittel finanziert werden. Dazu zählen zum Beispiel Museen, Philharmonien, Theater. Wenn staatlich geförderte Kunst mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert wird, wie 2022 bei der documenta fifteen geschehen, stellt sich die Frage, darf der Staat eingreifen, oder ist auch antisemitisch gewertete Kunst durch die Kunstfreiheit geschützt? Christoph Möllers hat im Auftrag der damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zwei Rechtsgutachten verfasst. Es ging um die Frage, ob der Staat in eine bestehende Ausstellung intervenieren kann und um die Frage, ob man im Vorhinein Dinge verhindern kann, indem man zum Beispiel bestimmte Kunst nicht fördert. Gemeinsam mit dem jungen Rechtswissenschaftler Nils Weinberg hat Möllers daraus ein Buch verfasst, das inzwischen in zweiter Auflage erschienen ist.
Im Buch stellen die beiden Autoren die Fragen in einen größeren Zusammenhang und ordnen sie theoretisch und historisch ein. Sowohl die Institution selbst als auch die in ihr beschäftigten Künstler können das Grundrecht der Kunstfreiheit aufgabenbezogen geltend machen.
Im ersten Teil dieser Episode spreche ich mit Christoph Möllers über das Buch, im zweiten über seine neue Rolle im Wissenschaftskolleg zu Berlin: am 1. September dieses Jahres wird er dessen Rektor.
Links
Prof. Dr. Christoph Möllers im Wissenschaftskolleg
https://www.wiko-berlin.de/fellows/akademisches-jahr/9998/moellers-christoph
Pressemittteilung Wiko
https://www.wiko-berl in.de/pressenotizen/der-jurist-und-rechtsphilosoph-christoph-moellers-wird-2026-neuer-rektor-des-wissenschaftskollegs-zu-berlin
Lehrstuhl
https://www.lehrstuhl-moellers.de/
Christoph Möllers bei Suhrkamp
https://www.suhrkamp.de/person/christoph-moellers-p-6511?utm_source=google.com&utm_medium=ad&utm_campaign=pmax
Rezension Freiheitsgrade
https://annette-wilmes.de/beitraege/buchbesprechungen/christoph-moellers-freiheitsgrade
Verlags-Video
https://www.suhrkamp.de/kurz-erklaert/christoph-moellers-was-bedeutet-kunstfreiheito-kunstfreiheit-kurz-erklaert-b-5082
Veranstaltung
https://www.berlinerfestspiele.de/artist/1fd30b84-4df5-46be-901b-31aea2b5ee91/christoph-moellers
Vortrag bei Übermorgen
https://uebermorgen-programm.de/inspirationsseite-keynote-christoph-moellers/
Nils Weinberg
https://www.lehrstuhl-moellers.de/mitarbeiterinnen/nils-weinberg
Preis für Nils Weinberg
https://www.hu-berlin.de/nachrichten/detail/jurist-nils-weinberg-erhaelt-deutschen-studienpreis-2026
Taring Padi
https://documenta-fifteen.de/lumbung-member-kuenstlerinnen/taring-padi/
Transkript anzeigen
00:00:10: Menschen, Orte, Paragrafen.
00:00:13: Begegnungen in der Welt des Rechts – ein Podcast von Annette
00:00:17: Wehmes.
00:00:24: Herzlich willkommen zur sechstundreißigsten Folge in meinem Podcast!
00:00:28: Heute mit Prof.
00:00:30: Dr.
00:00:30: Christoph Müllas.
00:00:31: seit dem Jahr zwei Tausend Neun Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht insbesondere Verfassungsrecht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
00:00:40: Im April ist sein neues Buch erschienen dass er gemeinsam mit Dr.
00:00:44: Nils Weinberg geschrieben hat.
00:00:46: Niels Weinberg ist Assoziator Forscher an Möllers Lehrstuhl, zurzeit Rechtsreferender im Kammergerichtsbezirk.
00:00:54: Das Buch trägt den Titel Öffentliche Kunstfreiheit und darüber wollen wir gleich reden.
00:00:59: ich freue mich lieber Christoph Müller dass wir hier heute uns treffen konnten.
00:01:05: mein Podcast heißt Menschen Orte Paragrafen.
00:01:10: der Ort an dem wir uns zusammengefunden haben, ist ein ganz besonderer.
00:01:14: Nämlich das Wissenschaftskolleg zu Berlin hier im Grunewald und über diese Institutionen und ihre ganz besondere Rolle die sie bald einnehmen werden, nämlich als Rektor des Wissenschaftskohleges.
00:01:27: darüber sprechen wir dann im zweiten Teil dieser Podcastfolge.
00:01:31: Ja, zuerst zum Buch Öffentliche Kunstfreiheit.
00:01:35: Kunst- und Wissenschaftforschung und Lehre sind frei.
00:01:38: so steht es im Grundgesetz Artikel fünf Absatz Drei.
00:01:43: Was bedeutet aber öffentliche Kunstfreiheit?
00:01:46: Wo liegt der Unterschied?
00:01:47: Ja,
00:01:48: also Unterschied würde man jetzt gar nicht mal sagen.
00:01:50: die Öffentliche Kunst Freiheit ist glaube ich schon etwas was von Artikel fünf Absatz drei Satz eins Grundgesetz gemeint wird.
00:01:56: Sie ist aber ein Teil davon und zwar ist es derjenige Teil der sich mit dem Grundrechtenschutz öffentlicher Institutionen beschäftigt.
00:02:03: Die Idee ist zu sagen Grundrechte schützen erstmal nur privat Bürgerinnen und Bürger, die Kunst machen oder Wissenschaft.
00:02:09: Aber Grundrechte schützen auch Institutionen, die der Staat gründet und auch finanziert aber verselbstständigt hat damit sie Wissenschafts- oder Kunst treiben.
00:02:19: Für die Wissenschaft ist das ganz unproblematisch.
00:02:21: Universitäten haben Grundrechtsschutz, das wissen wir seit Langem.
00:02:24: Aber es gilt vermutlich auch, dass wäre so ein bisschen ... Die leitende These des Buches gilt für Kunstinstitutionen zusammen mit öffentlichem Museen oder Theater.
00:02:32: Bevor wir jetzt weiter über die Inhalte des Buches reden, die Sie jetzt schon angedeutet haben kurz zu der Vorgeschichte auf der Dokumenta Fifteen.
00:02:39: Die fand in Kasselstadt in den Jahr- und Zwanzig.
00:02:43: Da wurden Werke, die als antisemitisch gewertet worden abgehängt.
00:02:47: War das denn eine zulässige vielleicht sogar notwendige Maßnahme gegen rassistische und antisemitische Äußerungen?
00:02:54: oder war es eine Verletzung der Kunstfreiheit?
00:02:57: Darüber wurde... diskutiert.
00:02:59: Und Sie, Herr Möllers haben dann im Auftrag der damaligen Beauftragten in der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth, haben sie zwei Rechtsgutachten verfasst – das ist im April eschienen.
00:03:20: Was ist die Idee hinter diesem Buch?
00:03:22: Also erst mal war die Dokumente in gewisser Weise vielleicht der Anfangspunkt oder jedenfalls die Sichtbewertung von einem Konflikt, der halt sich mit der Frage beschäftigt was darf eigentlich der Staat.
00:03:32: Die Staatsverwaltung tun wenn sie sich dazu entschlossen hat Kulturinstitutionen zu fördern?
00:03:36: können Sie da intervenieren?
00:03:38: Können Sie im Vorhinein was machen?
00:03:39: können Sie sich weigern antisemitische Kunst zu fördern?
00:03:42: Was passiert wenn sie eine Förderentscheidung getroffen haben?
00:03:45: es gibt also sehr viele einzelne Frauen zu dem wir wahrscheinlich noch ein bisschen kommen werden.
00:03:48: Die beiden Gutachten waren im Grunde schon mal die Nachgeschichte der Tatsache, dass ich erst einmal noch zunächst in so einer Kommission der Dokumenter selber saß und wir uns da diese Sachen angeguckt haben.
00:03:57: Und das Bild was da abgehängt wurde, wurde ja tatsächlich erstmal mit Zustimmung der Künstler abgehängen.
00:04:01: Das war jetzt gar keine Intervention in die Kunstfreude in dem Fall sondern die haben tatsächlich gesagt, Wir sehen das Problem und wir sind auch dafür das abzunehmen.
00:04:09: Es war die Gruppe Tarring-Party Ich durfte oder sollte diese Gutachten schreiben, die zwei unterschiedliche Aspekte beleuchten.
00:04:16: Nämlich auf der einen Seite die Frage ob man intervenieren kann in eine bestehende Ausstellung und andererseits die Frage, ob man im Vorhinein Dinge verhindern kann indem man zum Beispiel bestimmte Kunst nicht fördert.
00:04:28: Das blieb dann aber so ein bisschen Stückwerk.
00:04:29: Wir hatten da diese beiden Texte.
00:04:31: Wir haben im Untersuchungsauftrag erfüllt, aber irgendwie waren es PDF-Dateien, die halb veröffentlicht waren.
00:04:38: Es fehlte ein bisschen einen größeren Zusammenhang an dem Überblick einer Lesbarkeit, es fehlten auch so ein bisschen in der theoretischen Einordnung und historischem.
00:04:45: Und es gab auch ein bisschen Bedarf hat ich den Eindruck in der Praxis sich dann mal umfassen zu orientieren.
00:04:51: Gleichzeitig... war ich so ein bisschen, ich will nicht sagen fertig mit dem Thema.
00:04:54: Aber ich brauchte noch mal einen anderen Impuls und habe mich dann entschlossen, dieses Weinberg in einem fantastischen Juristis als Co-Autor mitzunehmen der die Sache nochmal vertieft hat auch die ganze dogmatische Grundlegung nochmal so ein bißchen verändert hat sodass wir was Frischeres hatten und was Vollständiges.
00:05:10: Zwei Fragmente, in denen man sich das zusammenpusteln konnte.
00:05:13: Nils Weinberg war auch vorher bei Ihnen schon wissenschaftlich?
00:05:16: Genau, da waren wir am Lehrstatt, wo er promoviert hat.
00:05:20: Er
00:05:21: hat
00:05:21: mehr Preise bekommen für seine Doktorarbeit.
00:05:24: Über Ihre Preise reden wir jetzt nicht.
00:05:26: Aber das Buch ist sehr nett geworden.
00:05:28: Also reiht sich gut ein in die Taschenbuchreihe Wissenschaft bei Soerkampf.
00:05:34: Gut, den Titel nenne ich nachher auch noch mal.
00:05:37: Ja Artikel fünf Kunstfreiheit schützt also Privatpersonen, Künstlerinnen und Künstlern vor staatlichem Zugriff, denen es in diesem Fall offensichtlich so gar nicht gegeben hat.
00:05:47: aber die Diskussion hat dann angefangen Und der Schutz findet also seine Grenzen.
00:05:53: wenn die Kunst zum Beispiel staatlich finanziert wird Also gefördert wird und das passiert in Deutschland ja doch in der Kulturlandschaft sehr häufig Wo liegen denn dann die Grenzen?
00:06:03: Ja, das ist so ein bisschen der Inhalt des Buches und da wird es gleich ein bisschen komplizierter.
00:06:09: Man muss erst mal schauen wer hat eigentlich Grundrechte?
00:06:11: Dann wird man sich in eine Organisation eingucken an öffentlichen Kulturinstitutionen, Museum oder Theater.
00:06:17: Und wir sehen, da gibt's immer künstlerische und administrative Teile.
00:06:21: Die künstlerschen Teile haben dann tatsächlich auch Grundrecht gegenüber dem Staat.
00:06:25: Der Landrat darf nicht intervenieren ins Theater oder der Stadtrat.
00:06:30: Das Ministerium darf nicht dem Museum vorschreiben, was es ausstellt.
00:06:33: Da gibt's also dann sozusagen Interventionsschranken.
00:06:35: die betreffen aber die künstlerische Seite der Organisation.
00:06:38: Die ist gar nicht so einfach immer festzumachen.
00:06:41: Aber die muss man sagen finden und daraus dann sagen diese Grenzen konstruieren Diese Grenzen das wäre erstmal die organisatorische Antwort darauf nicht wahr?
00:06:51: Und das betrifft schon eingerichtete Institutionen.
00:06:54: andere Grenzen betreffen, dass die Frage ob es nicht auch Kunst geben darf, die als solche nie geschützt ist.
00:06:58: Auch wenn sie von Privaten betrieben wird.
00:07:00: das wird in der Regel der Fall sein, wenn Straftaten begangen werden im Namen oder durch Kunst.
00:07:04: Das kann passieren.
00:07:05: Kunst kann beleidigen, Kunst kann Volksverhetzungsverbote erfüllen und so weiter.
00:07:11: Das ist aber eher selten.
00:07:12: Und dann gibt's noch mal die dritte Dimension des Schutzes der Kunstfreiheit ... bevor der Staat eigentlich eine Förderentscheidung getroffen hat.
00:07:20: Kanada gibt es da auch Grenzen.
00:07:22: oder ist der Staat dann komplett frei zusammen gefördert, was wir wollen?
00:07:25: Und da in der Tat wird man sagen müssen... Der Ausgangspunkt ist erstmal das Verstaat nicht dazu verpflichtet, in bestimmte Kunst zu fördern und dass die Grenzen immer erst da beginnen wo der Staat sich gewisserweise mit der Förderentschadung selbst gebunden hat.
00:07:37: Hat er sich einmal dazu entschieden Kunst zu fördern kann er jedenfalls aus politischen oder ästhetischen Kriterien eigentlich von dieser Entscheidung nicht mehr zurückdrehen.
00:07:44: Also dann gilt die Kunstfreiheit, also auch für das Museum, dass da eine Ausstellung hat, auch für andere Institutionen... Also es kann ja auch Kunst Freiheit in der Musik geben.
00:07:54: Ja
00:07:54: klar!
00:07:55: In Philharmonien sind ja alles staatlich irgendwie geförderte Institution.
00:08:00: Also tatsächlich Kunstfreikeit?
00:08:02: Auch für Institutione in bestimmten Maße, in einer bestimmten Vorgabe.
00:08:07: Alten Aufgabenschutz, als eine diene Grundrechtliche Freiheit die daraus ergeben sich ergibt das der Staat gesagt hat ihr nehmt die Aufgabe Kunst unabhängig wahr sowie die Universitäten die Aufgabe Wissenschaft unabhängig wahrnehmen.
00:08:19: Und so ist ja auch durch ein bisschen durchgehend in dem Buch dieser Vergleich mit der Wissenschaftsfreiheit und diese Wissenschaftsfreihalt ist ja etabliert oder die öffentliche Kunstfreiheit ist noch
00:08:29: nicht so etabliersen.
00:08:31: Ja also die wissenschaftsfrei ist ein riesengrund Recht.
00:08:33: wir haben sehr viele Gerichtsentscheidungen vom Bundesverfassungsgericht Verwaltungsrichtliche Entscheidungen.
00:08:38: Wir haben eine Menge an Rechtsprechung, die dem Staat sehr oft auch Grenzen aufzieht – auch im Land Berlin.
00:08:43: Die Humboldt-Universität hat mehrere Verfahren schon gewonnen und wir haben da tatsächlich viel.
00:08:48: Während wir zur Kunst frei tatsächlich gar keinen Fall haben.
00:08:51: Wenn ich das richtig überblicke, kein einzigen Fall in dem mal eine öffentliche Kulturinstitution gesagt habe, ich verplage jetzt den Staat um einen Rechte zu vertreten.
00:09:01: Das hängt damit zusammen dass die Universitäten das besser eingeübt haben, dass sie im Grunde eine sehr alte lange Traditionen haben.
00:09:08: Dass die selbst verwaltet sind und dass sie Lebenszeitverbeamtete ist Personal, die Professorinnen wie mich haben, die im Zweifelsfall auch ohne ein persönliches Risiko einzugehen ihre Freiheit verteidigen können vor Gericht.
00:09:21: Das haben die Kulturinstitution alles nicht.
00:09:23: Ja und vor allen Dingen in diesen Zeiten nicht.
00:09:25: Also dann auch noch die ganzen Kürzungen anstehen aber das ist noch ein Extrathema.
00:09:30: Das besprechen wir jetzt heute ja nicht.
00:09:32: Also es ist schon etwas kompliziert.
00:09:35: Könnte man denn solche Gerichtsverfahren initiieren?
00:09:38: Ja, Sie haben schon gesagt das ist nicht so einfach bei den Künstlern aber theoretisch würde das ja gehen.
00:09:44: Ich würde auch erst mal sagen ich würde jetzt erstmal nie jemandem vorschnell empfehlen zu klagen.
00:09:48: Klagen ist immer ein sehr massiver Schritt und beendet die Beziehung oder man muss eine professionelle Beziehungen haben um sich leisten zu können wie das Unis vielleicht mit Hochschulaufsichten mittlerweile über die Jahrzehnte gewonnen hat.
00:10:00: Ich würde aber immer sagen, erst mal müssen die Institutionen lernen, dass sie die Kunstfreiheit wirklich auch haben.
00:10:04: Sie müssen sich lernen auf sie zu berufen und nicht nur vor Gericht sondern auch gegenüber den politischen Organen, die vielleicht Einfluss zu nehmen suchen.
00:10:09: Das ist erstmal eine einübung in einer bestimmten Form von Freiheitspraxis Und dann kann man immer noch mal gucken, ob es nicht auch mal Fälle gibt in denen man versucht das auszuklagen.
00:10:18: Die werden auch kommen.
00:10:20: Ich glaube die Zeichen sehen eher so aus dass wir wachsende politische Einflussnahme auf Kunstinstitutionen beobachten können und irgendwann wird der Punkt erreicht sein in dem auch mal ein Theater klagt.
00:10:30: Das ist nichts worüber ich mich freue!
00:10:32: Es ist ein Krisenfänomen.
00:10:34: aber ich glaube es könnte dann auch ein paar Sachen nochmal anders klarstellen.
00:10:44: Noch mal ganz kurz zurück zum Inhalt von Kunst.
00:10:47: Also es fing ja an mit der Dokumenta, diese Diskussion ist denn auch antisemitische Kunst oder rassistische Kunst vor staatlichen Eingriffen geschützt?
00:10:59: Wenn Sie keine Straftatbestände erfüllen, das hatten sie eben gesagt.
00:11:02: Ist sie genauso wie antisemitischen Meinungsäußerungen oder Rassistisch?
00:11:05: Das ist erstmal ein inhaltsneutrales Grundrecht was tatsächlich nur dadurch funktioniert ... dass man erst mal keine Vorgaben macht, was da als Kunst oder was da... ...als Meinung eräußert werden
00:11:17: kann.
00:11:17: Darüber kann man sich dann ja auseinandersetzen?
00:11:19: Ob das nun...
00:11:20: Darüber können wir sich auseinander setzen und man kann auch mit Fuggen richtig Frage stellen ob der Staat so etwas fördern muss.
00:11:25: Der Staat kann sich auch überlegen, ob er darauf reagiert.
00:11:27: Ich würde immer sagen, das Gutachten hat eigentlich so eine Doppelstrategie ist billig dem Staat absolut zu auch Förderrichtlinien, Förderstandards vorzusehen in den antisemitische oder rassistischen oder sonstige Kunst die irgendwie komisch ist nicht gefördert wird.
00:11:42: Aber ich würde es trotzdem nicht empfehlen, weil man sich damit im Grunde einen Kontrollaufwand ins Haus holt.
00:11:46: Der hat auch irgendwie letztlich dann sehr stark an Sensus-Praktiken erinnern muss und in gewisser Weise auch die Verwaltung überfordert.
00:11:55: Und trotzdem schreiben Sie im Buch auch von der Kehrseite der Freiheit nämlich die Verantwortlichkeit in staatlichen Kulturinstitutionen haben sie eben auch schon angedeutet da geht das auch um verfassungsrechtliche und politische Vorgaben um Antisemitismus abzuwehren, also Abwehr von Antisemetismus oder auch Rassismus.
00:12:14: Also da geht es auch um die Frage darf der Staat eingreifen?
00:12:18: Ja das ist kompliziert.
00:12:20: im Grunde haben sie eben schon zum Teil darauf geantwortet.
00:12:23: aber...
00:12:24: Wir haben uns nochmal angucken was eigentlich Eingriff bedeuten kann.
00:12:27: ich war und es gibt sozusagen wenn man so will ja so ein Repertoire.
00:12:29: also des Härtes ist natürlich angrund in die Ausstellung einzugreifen oder irgendwie Inszenierung einzuggreifen zu schließen.
00:12:35: Das wird im Regelfall nicht Zulässig sein, wenn wir keine Straftatbestände haben.
00:12:41: etwas schwächere Eingriffe sind, Eingriffen in denen der Staat das halt kontextualisiert oder kommentiert und da würde ich sagen dass kann schon mal möglich sein.
00:12:48: Da war meine Grundprägenderfahrung.
00:12:50: für mich war ein Dokumenter wo man das Gefühl hatte hier gab es schon auch ein Problem antisemitische Kunst die von Bundland und Gemeinde gefördert wird, in der die Dokumenterverwaltung selber vielleicht sich auch mal etwas öfter darüber verhalten könnte was da Problem vorliegt auch wenn noch eine andere Form von Diskussion hätte ermöglichen können und vielleicht sich auch mal hätte distanzieren können.
00:13:10: Das ist wahrscheinlich keine Pflicht, aber es ist doch eine Möglichkeit die man hat.
00:13:13: Es ist vielleicht dann eine Möglichkeit, die noch ein anderes Angebot macht darüber ins Gespräch zu kommen.
00:13:18: So war mein Eindruck, dass das gerade die Dokument der Verwaltung sehr stark lamb geschwiegen hat und der Proteste ein bisschen daran verhaltet ist.
00:13:25: Und das finde ich ist keine gute Wahrnehmung der Verantwortlichkeit, die man als öffentliche Stelle hat wenn man keine Grundrechte hat, eine Äußerungsobliegenheit, wenn es zum konkreten Konflikt gibt.
00:13:39: Es hat ja in der Vergangenheit auch schon mal Theaterstücke gegeben die dann abgesetzt wurden aber eben von der Theaterleitung selbst.
00:13:49: Es ging auch manchmal um antisemitische Vorfälle.
00:13:53: würde sowas auch schon mit öffentlicher Kunstfreiheit umschrieben werden können?
00:13:58: Ja, das sind in dem Einzelnen ganz schwierige Fragen und in denen man sich tatsächlich auch so eine Binnstruktur der Organisation rein vertiefen muss.
00:14:06: Es ist immer die Frage wer hat jetzt die Kunstfreiheit?
00:14:08: Der Theaterintendant oder die Regisseurin?
00:14:11: Das Kunst ist ja sehr oft arbeitsteilig und entgegen allen romantischen Klischees sehr oft auch hierarchisch organisiert Und man hat nicht immer so eine ganz auf der Hand liegende Antwort darauf, wer da die Verantwortung trägt.
00:14:23: Wenn jemand die künstlerische Leitung hat, also wenn jemand irgendwie Durchsatzung oder Vertrag die Künstlerischen Leitung eines Theaters hat dann kann er auch ein Stück absetzen oder sie, dann würde man sagen in der Sache ist das auch einen Eingriff an die Kunstfreiheit, sagen wir mal bei der Regisseurin.
00:14:34: aber rechtlich ist es dann halt so, dass dann halt die Bedingungen unter denen das Ganze organisiert und aufgeführt wird.
00:14:41: Kann aber trotzdem natürlich politisch, ästhetisch, auch normativen Problem sein, auch wenn es vielleicht juristisch nicht so fassen ist.
00:14:49: Und eben auch nicht verfassungsrechtlich für Bedeutung?
00:14:51: Nicht genau, ja.
00:14:53: Ja am Ende des Buches da fassen sie die Ergebnisse zusammen.
00:14:56: also das Buch ist sehr zu empfehlen und es ist nicht einfach zu lesen
00:15:01: aber... Es ist ein trockenes juristisches Buch zum
00:15:04: Teil.
00:15:04: Ist ja auch in der Reihe Wissenschaft erschienen.
00:15:07: Also man sollte jetzt nichts belletristisches erwarten Aber es gibt doch sehr viel Einblick in diese komplizierten Zusammenhänge.
00:15:17: Am Ende des Buches fassen Sie die Ergebnisse zusammen, ein Satz lautet nicht alles was verfassungsrechtlich möglich ist, sondern verfassungspolitisch klug.
00:15:27: Was meinen Sie damit?
00:15:28: Damit meine ich genau dass der Staat sicherlich mehr Intervention machen kann in die Kunst, die er fördert im Vorhinein, programmatischer Arbeiten, Standardsetzens für Kunstförderung aber das er doch trotzdem nicht tun sollte.
00:15:41: Zum einen, weil er die Verantwortung dafür eigentlich schlecht übernehmen kann.
00:15:44: Er hat einfach nicht die ästhetische Kompetenz.
00:15:46: zum anderen, weil man damit eine Kontrollstruktur schafft, die freiheitsverhindert ist.
00:15:51: Eine funktionierende Kunstförderung Wirklich freiheitlich ist, in einem empfadlichen Sinne muss auch immer daneben hauen.
00:15:58: Ich weiß es muss auch mal was schief gehen.
00:15:59: wenn nichts schief geht dann sind die Regeln zu streng.
00:16:02: diese Form von Transitionen die dann ja auch von den Künstlerinnen selbst zu verantworten ist so wie die Dokumente halt von den Kuratoren zu ver Antworten ist und nicht von irgendeinem Minister.
00:16:11: Diese Verantwortung muss dann halt auch von denen übernommen werden.
00:16:13: aber das setzt sich auch voraus dass man sie machen lässt und Dass dann Dinge schiefgehen.
00:16:17: Das ist eigentlich preis einer funktionierenden öffentliche Kunstfreiheit
00:16:21: Ja, und dass nicht immer die ästhetische Kompetenz vorliegt.
00:16:24: Also dieser Satz hat mir gefangen...
00:16:26: Ja!
00:16:26: Der Essel liegt ziemlich auf der Hand, wenn sich die Geschichte philosophisch
00:16:28: aufgeht.
00:16:29: Haben Sie schon Resonanz auf Ihr Buch?
00:16:31: Auch ich habe eigentlich vier Resonanzen.
00:16:32: Auf der einen Seite gab es sehr viele Nachfragen, es gab eine sehr freundliche Besprechung, jetzt auch schon ne zweite Auflage.
00:16:39: also das Buch hat offensichtlich irgendwie ein Bedarf erfüllt.
00:16:42: Das muss man tatsächlich sagen oder ist eigentlich nur sehr schön das zu sehen.
00:16:45: Es ist auch für so kaum Taschenbuchwissenschaften kein ganz typisches Buch, weil es richtig rechtsdokmalische Bücher sind eigentlich nicht normalerweise in der Art von Kanon.
00:16:52: Aber es freut alle das es so gut funktioniert.
00:16:55: Und hat in dem Sinne vielleicht sogar auch schon was bewirkt?
00:16:58: Ja da wäre ich jetzt skeptisch aber man kann
00:17:01: sich hoffen kann
00:17:02: man.
00:17:02: Könnte es denn überhaupt was?
00:17:03: Naja es könnte schon etwas bewirken bei den Kulturinstitutionen selbstbewusster gegenüber politischen Einflüssen und gegenüber politischer Einflussnahme auftreten.
00:17:09: Das denke ich auf jeden Fall!
00:17:10: Bevor wir zum zweiten Teil von dieser Podcastfolge kommen, nochmal der Buchtitel also Öffentliche Kunstfreiheit.
00:17:17: Co-Autor ist Nils Weinberg erschienen bei Sourkamp Taschenbuch Wissenschaft.
00:17:21: Links dazu gibt es in den sogenannten Shownotes.
00:17:31: und jetzt zum zweiten teil.
00:17:33: Herr Möllers Sie sind seit zwei tausend neun Professor an der Humboldt Universität.
00:17:37: sie sind aber auch seit Zwei Tausend zwölf permanent Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin der Ort, an dem wir uns hier heute getroffen haben.
00:17:48: Und das ist Ihre schon erwähnte neue Rolle.
00:17:51: ab dem ersten September werden Sie der Rektor dieser Institution sein?
00:17:57: Ja was für eine Einrichtung!
00:17:59: ist das Wissenschaftskolleg.
00:18:01: Das Wissenschafts-Kolleg ist ein sogenanntes Institut für Advanced Study, das ist im Grunde der Überbegriff dafür.
00:18:06: Das ist eine Institution die jedes Jahr für einen Jahr Wissenschaftlerinnen aus aller Welt und aus allen Fächern einlädt damit sie Zeit haben um zu forschen keine weiteren Verpflichtungen haben nichts verwalten müssen keine Lehre haben sondern einfach nur sich ihrem Projekt zuwenden können und sich vielleicht auch untereinander austauschen können sich voneinander inspirieren lassen können, aber im Prinzip erst mal machen können was sie wollen.
00:18:29: Und die leben hier auch
00:18:30: in dieser Zeit?
00:18:30: Die leben ja auch mit vielen Kindern und Groß.
00:18:33: Also wir haben ja Möglichkeiten, die auch wirklich sagen komplett unterzubringen.
00:18:37: Welche Fächer welche Disziplinen werden denn hier behandelt?
00:18:40: Grundsätzlich haben wir alle Fächen.
00:18:42: also das ist auch ein Motto dass wir weder thematisch noch disziplinär begrenzt sind Fächer, bei denen wir es uns leichter fällt, Leute zu rekrutieren.
00:18:51: Wir haben eine starke geistwissenschaftliche Seite und sind immer besser geworden mit empirischen Sozialwissenschaftlerinnen.
00:18:56: Das ist eigentlich auch eine starre Seite.
00:18:58: Wir hatten viel Biologen hier, weil Biologinfach ist das jedenfalls teilweise in seinen theoretischen Ausprägungen dann nicht im Laboratorium braucht.
00:19:04: Wir können halt keine Laboratorien zur Verfügung stellen.
00:19:07: Wir haben so gewisse Traditionen versucht, aber immer weiterzukommen und den Fächerkeilen noch zu erweitern.
00:19:11: Manchmal ist es einfacher und manchmal schwieriger.
00:19:14: Wir haben natürlich auch immer nochmal einen Schriftsteller oder ein Schriftstellerin da.
00:19:20: und manchmal auch Journalisten, die irgendwie anschlussfähig sind für wissenschaftliche Kontext.
00:19:24: Und dann gibt es die Journalisten und Journalistinnen wie mich zum Beispiel, die immer mal wieder gerne herkommen zu Veranstaltungen?
00:19:29: Ja!
00:19:30: Die machen sie auch – und die werden auch z.T.
00:19:32: von den Fellows betrieben.
00:19:34: oder sind das noch andere?
00:19:35: Nein,
00:19:35: also erstmal geht's erst einmal darum um die Fellows zu präsentieren.
00:19:38: Also im Prinzip haben wir nur Vorträge von Leuten, die Fellows sind oder permanent Fellows, die mit dem Haus verbunden sind weil….
00:19:45: Das Ganze ist eine Fülle, die eigentlich dem Fellowleben dient ermöglichen und darstellbar machen soll.
00:19:52: Eine, die mal hier als Fellow war, das war Gerhard Rodelübe-Wolff, die hat geschrieben – das kann man auch nachlesen im Internet – ja ich war auf eine klösterliche Abgeschiedenheit gefasst.
00:20:03: darüber kann ich heute nur lachen und das deutete sich ja jetzt schon so an in dem was sie gesagt haben.
00:20:08: also das sind aber fächerübergreifende Wissenschafts und auch zum Teil sogar nicht Wissenschaftler, die hier
00:20:17: tätigen.
00:20:18: Es sind verschiedene Fächer von Leuten, die eine Disziplinäre Identität haben, die keine interdisziplinären Projekte verfolgen sollen.
00:20:25: Sondern erst mal ihr Ding machen.
00:20:26: Aber die anderen auch dabei beobachten wie sie ihr Ding machten.
00:20:29: Und dann gucken, ob Sie davon was haben.
00:20:31: Am Anfang fragt man sich ein bisschen, ob das was bringt?
00:20:34: Dann merkt man im Laufe des Jahres in einem Eindruck immer, dass Leute schon Inspiration ziehen aus Themen, von denen Sie vorher gar nicht wussten, Man
00:20:42: begegnet sich
00:20:43: hier, es gibt auch die Pflicht zum gemeinsamen Mittagessen.
00:20:47: Es ist schon richtig klösterlich abgeschieden, da trifft's vielleicht nicht so ganz.
00:20:49: aber ein bisschen ist dann immer Sache der Fellows selber zu sehen wie weit sie jetzt Teil einer Gemeinschaft werden wollen und wie sie einfach ihre Ruhe haben wollen.
00:20:56: und beides erst mal legitim.
00:20:57: Ist ja auch
00:20:58: ganz schön.
00:20:59: Freibildigkeit!
00:21:02: Was bedeutet denn eigentlich permanent Fellow?
00:21:05: Permanent Fellows sind... im Grunde Berater des Rektors oder der Direktorin, die hier bei der Auswahl helfen und ein bisschen mithelfenden Jahrgang zu beobachten.
00:21:14: Und so ein bisschen einfach dem Direktorinnen spiegeln wie sie gerade so die Entwicklung des Ganzen beobachten und was man vielleicht verbessern oder auch nicht verbessern könnte.
00:21:25: Da Sie ja sehr lange schon permanent Fellow sind ist die Arbeit des Rectors, die jetzt auf Sie zukommt.
00:21:30: bislang war eine Rektorin hier auch nicht fremd
00:21:35: Ja, wobei ich muss sagen.
00:21:36: Ich habe schon einen großen Respekt davor.
00:21:37: Ich bin wirklich ein bisschen nervös und so ganz kann man sich das dann doch immer erst vorstellen wenn man es macht.
00:21:43: Man ist für den Laden verantwortlich.
00:21:46: Das ist man als Berater irgendwie nicht.
00:21:48: Und das dann schon wie in anderes Spielen
00:21:49: nochmal.".
00:21:50: Sie haben ja gesagt dass sie auch Respekt vor der neuen Aufgabe als Rektor haben.
00:21:55: was wünschen sie sich denn für die Zukunft hier im Wissenschaftskollegen?
00:21:59: Es gibt viele Dinge, die ich mir wünsche.
00:22:00: Ich wünsch mir erst mal, dass wir nicht in Not geraten sind.
00:22:03: Man sieht natürlich schon so, die öffentliche Budgets sind für alle prekär und das wird nicht ganz einfach sein.
00:22:08: Vielleicht eine bestimmte Form von Verjüngung der Fellows oder Publikums usw.. Ich wünsche mir noch ein bisschen mehr in die Stadt herausgreifen mit dem was wir machen.
00:22:18: Also es gibt eine Menge!
00:22:19: was man noch so machen können.
00:22:20: Aber Ihren Lehrstuhl werden Sie auch weiter haben?
00:22:23: Na ja, das ist dann so, den Lehrstuel wird es noch geben aber ich habe halt ein sehr beschränktes Lehrdepotat und noch so ein paar kleine Projekte, die werde ich da nochmal
00:22:30: machen.
00:22:30: Ja sonst wäre es auch ein bisschen viel vereinen Menschen.
00:22:36: Zum Schluss nochmal der Hinweis dass alle möglichen Informationen zum Buch Aber auch zum Wissenschaftskolleg, zu früheren Büchern von Christoph Möllers und zur Person also von Nils Weinberg in den Show Notes verlinkt sind.
00:22:49: Ja vielen Dank lieber Christoph Müller für das Gespräch!
00:22:53: Und viel Erfolg für all ihre Aktivitäten und vor allem einen guten Start in ihrer neuen Rolle als Rektor des Wissenschafts-Kolleges.
00:23:01: Vielen Dank und Tschüss!
00:23:02: Das war die aktuelle Folge von Begegnungen Orte Paragraphen.
00:23:17: Ein Podcast von Anette Wemmes.
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